Kein Brot für Nazis

Kategorie: Free Speech Erstellt: Samstag, 27. Januar 2024 Drucken

Was ist eigentlich los in unserem Land? Auf einmal überall nur Nazis. Was ist passiert?

Alles Nazis

Einige Twitter/X-Accounts posten gerade Bilder aus Filialen der Firma "Karlchens Backstube" aus Herford und Umgebung, Dort steht auf den Kassendisplays: "Kein Brot für Nazis". Ich konnte das selbst nicht überprüfen, ist zu weit weg. Aber wenn das wirklich so stimmt, frage ich mich: IST ES SCHON WIEDER SO WEIT?

Was kommt als nächstes? Die Kristallbiernacht, wo wir den vermeintlichen Nazis dann die Scheiben einschmeißen?

Liebe Leute, sowas ist NICHT Demokratie und Vielfalt. Das ist blinder Hass. Setzt euch mit den Ultras politisch auseinander, klärt über die Folgen des Faschismus auf, geht von mir aus für Toleranz demonstrieren. Aber ruft nicht nach Toleranz, wenn ihr selbst nicht bereit seid, andere Meinungen zumindest zu tolerieren. Ihr müsst es ja nicht akzeptieren. Das verlangt niemand.

Erstmal: Wer ist ein Nazi? Woran erkennt man das? Was soll man tun? Ihm die Grundrechte entziehen? Sowas tun Faschisten. Ihm kein Brot verkaufen? Gut, es gibt Vertragsfreiheit, aber das ist im Grunde nur Öl auf die Feuer gießen. Die gegenseitigen Bezichtigungen werden immer extremer, irgendwann greift man zu Gewalt und erfüllt damit das Prinzip Divide et impera.

Ich kann die Meinung anderer durchaus tolerieren, auch wenn ich sie nicht teile. Ich kann versuchen, den anderen von der Verwerflichkeit seiner Meinung zu überzeugen. Aber Nummerrn wie die in dem Bild? Das geht gar nicht. Was will man denn mit kompletter Ausgrenzung erreichen (ich meine, außer einem handfesten Reaktanzverhalten)? Die Antwort der anderen Seite ist simpel: "Na und? Dann bin ich halt'n Nazi!" Was wurde damit ereicht? Eine Änderung der Meinung beim Gegenüber? Nein. Eher das exakte Gegenteil.


"Wir glauben nicht an die Meinungsfreiheit, wenn wir sie nicht auch den Leuten zugestehen, die wir verachten." (Noam Chomsky)

Manche muss man halt mit ihren Ansichten ziehen lassen, so oder so. Aber eine Radikalisierung ist IMMER der schlechteste Weg, find ich. Egal, auf welcher Seite. Ich hatte früher so einige Bekannte in der radikallinken Szene in RD, aber was die getan haben, unterschied sich in NICHTS von den Skinheads (außer in der Farbe der Schnürsenkel ihrer Springerstiefel). Und keine der beiden Seiten hat ihre Ziele erreicht.

Was ich meine, zu beobachten, ist eine deutlich inflationäre Verwendung des Totschlagbegriffs "Nazi". Extreme Rechte gab es schon immer in Deutschland (NPD, DVU, REP usw.) und die wird es auch immer geben. Bislang hat die Gesellschaft das aber immer geregelt. Nun, wo diese AfD plötzlich Positionen besetzt, die durch Fehler der Regierungen der letzten Jahrzehnte an Gewichtung zunehmen, wird die Nazikeule rausgeholt und auf alles eingedroschen, was nicht konform ist. Diese Keule jedoch wird dadurch ihren Schrecken verlieren, weil immer mehr Menschen in eine Trotzreaktion getrieben werden. Es ist genau dieses Nazi!-Geschrei, das die far-right-Parteien stark macht. Ich finde, darüber sollte man nachdenken.

Ich habe da einen Freund, ein feiner Kerl an sich, nur er hat ein paar seltsame Meinungsansätze über Politik, die ich wirklich nicht teile. Aber statt ihm nun erbost die Freundschaft zu kündigen, rede ich mit ihm. Okay, oft, wenn er in Argumentationsnot gerät, bricht er das Gespräch ab und hat "Termine". Aber ich lasse nicht locker. Ich mache ihm im Gespräch nie Vorwürfe, sondern frage ihn nach seinen Lösungsideen und kritisiere diese dann recht emotionslos. Ich versuche also, ihm die Erkenntnis anzubieten, das seine Ansichten nicht besonders human sind und das tue ich mit Wortbildern, die in sein Wahrnehmungsspektrum passen. Ich würde ihm aber nie KEINEN Kaffee anbieten, weil er das denkt, was er denkt.

Menschen, die inhumanes Gedankengut vertreten, sollte man nie verdammen oder ausgrenzen, denn das zementiert ihre Anti-Haltung nur. Ich handele eher so: "Ich finde zwar scheiße, was du sagst, aber deswegen bist du kein Scheißmensch." Bei vielen Menschen ist der Hang zur eher radikalen Partei gar kein faschistischer Grundtrieb, sondern eine Trotzreaktion auf gefühlte oder echte Benachteiligung. Diese Menschen kann man aber erreichen. Nicht mit Ausgrenzungsbotschaften am Kassendisplay, sondern durch die individuelle Ansprache.

Nachtrag:

Der Betreiber der Backfabrik fällt öfter durch politische Statements auf und ist bekannt für sein ähem ... Sendungsbedürfnis. Die Firma "Karlchens Backstube" hat ihre Facebookseite deaktiviert.



Backfabrik Karlchens Backstube

Das Titelbild mit dem Slogan passt zu einer Produktpalette, die der selbsternannte Standup-Comedian Max Limper in einem Spreadshirt-Shop anbietet.

Max Limper

 

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