Polizeigewalt gegen Sanitäter?

Kategorie: Kurzmeldungen Erstellt: Donnerstag, 19. November 2020 Drucken

(von Olaf Francke)
Im Netz kochen im Zuge der Rezeptionshysterie zur Demo in Berlin am 18.11.2020 die Gerüchteküchen auf dem ganz großen Feuer. Von Polizeigewalt gegen Kinder ist die Rede und angeblich durften Sanitäter nicht helfen. Welche Rolle spielt QAnon dabei?

Polizeigewalt Sanitäter Demo Berlin

#dieschwarzerose #blackrose #fakenews #hoax

Es geistern Bilder und Videos durch das Netz, die angeblich Sanitäter zeigen sollen, die von der Polizei brutal daran gehindert wurden, Menschen in Not zu helfen. Da sind zum einen zwei Bilder eines Mannes, der offenbar eine Platzwunde hat und von Polizeikräften am Boden gehalten wird, zum anderen ein Video eines Mannes, der berichtet, er sei als Sanitäter mit Festnahme bedroht worden.

Zum ersten Bild: Der Mann dort am Boden trägt eine Art Dienstbekleidung, wie sie z.B. beim DRK-Fahrdienst und THW gebräuchlich ist, aber auch frei in Sonderpostenmärkten erhältlich ist. Auf der Brust trägt er ein Emblem, ähnlich dem Symbol des Deutschen Roten Kreuzes. Es gibt Aussagen, die äußern, der Mann habe sich eindeutig nicht wie ein Sanitäter verhalten, die Fantasieuniform dürfte also eine Verkleidung gewesen sein, um möglichst unbehelligt filmen zu können.
Userkommentar dazu auf Twitter: https://twitter.com/GiesbertMarco/status/1329187351067848705
Video-Link (Telegram): https://t.me/unzensiert/34875

Bei dem zweiten Bild (Screenshots aus einem Video, Quelle: https://youtu.be/9fRbrlgmnRI) sieht man einen Mann, der mit dem Handy in der Hand die Straße entlang geht, er spricht mit schwäbischem Akzent. Der Mann trägt so etwas wie eine Uniform, einen Helm in der Hand und über seiner Weste (möglicherweise Teil der DRK- oder BRK-Dienstbekleidung) trägt er eine Chestrig. Einen Sanitätsrucksack oder eine Einsatztasche sehe ich nicht, auch kein BOS-Funkgerät. Auf dem Rücken trägt er ein Patch mit der Aufschrift "Paramedic". Die Patches an seiner Chestrig sind im DRK-Einsatz nicht erlaubt. Er erzählt, er habe an diesem Tag schon vielen Menschen geholfen, auch Polizisten und sogar einen Herzinfarkt behandelt und er wird komplimentiert ("Wir sind stolz auf euch"). Dazu ist zu sagen, dass das DRK einen Sanitäter nie solcherart ausgerüstet in einen Einsatz schicken würde. Ich bin selbst Sanitäter beim DRK, und wenn wir Sanitätsdienste leisten, rennen wir nicht mit solchen Fantasieuniformen herum, sondern mit PSA nach Dienstbekleidungsverordnung, das hat unter anderem nämlich versicherungstechnische Gründe. Die Klamotten, die dieser "Paramedic" trägt, bekommt man günstig bei Ebay Kleinanzeigen. Ein weiteres Video zu dieser Person: https://www.tiktok.com/@stein32/video/6896580077178359042

Interessant in diesem Zusammenhang ist das Netzverhalten des Users auf Facebook. Er postet Demobilder und -aufrufe von einem Account "@HaunsiAppmann", der auf Telegramm einen "Q"-Channel betreibt, in dem er "Q-Drops" und Verschwörungserzählungen verbreitet. Die Seite "Street Medics Europe", eine mit "Anon Medics" (Anonymous) verbundene Organisation teilt seine Q-Beiträge, sie wird von dieser Person offensichtlich betrieben. Versucht QAnon, über die Sanitäterverkleidung die Demos zu steuern? Steckt der "Sanitäter" hinter dem Channel von @HaunsiAppmann? Ein Screenshot (Collage) vom Profil des "Sanitäters":

Q Anon Sanitäter

Der sogenannte Sanitäter, der ein außerordentliches Faible für Uniformen zu haben scheint (im unteren Bild sogar mit Schulterklappen) heißt nicht "Andy M.xxxxx" (M.xxxxx ist sein zweiter Vorname), sondern "Andreas E.xxxxx" und ist auf vielen Demonstrationen, zum Beispiel bei Gelbwesten in Deutschland und Frankreich, zu sehen. Er betreibt die VK-Seite von "Street Medic Europe" und besitzt mehrere Profile u.a. bei Facebook und VK. Die Profile sind von politischen Aussagen durchsetzt, es dürfte sich also bei dem Herren um einen "Profidemonstranten" handeln.

Gelbwesten Sanitäter

Gern wird Geld für die europaweiten Demobesuche gesammelt. Vielleicht war der Mann, der nach eigener Aussage "über 20 Jahre im Rettungsdienst tätig war" für das DRK tätig, was die Herkunft seiner Einsatzweste erklären würde. Offenbar mag er das DRK jedoch nicht besonders, wenn man sich die Postings auf seiner VK-Seite ansieht:

Geldsammlung DRK Bashing

Weiterführende Links zu der Person:
Gelbwesten-Talk bei NuoViso: https://youtu.be/NMQVlXT4T20
Interview bei RT über Gelbwesten: https://youtu.be/QAkJU7iPr0o
Interview bei RT (Audio) über Verhaftung: https://youtu.be/Jesvd8t4xj4
Viedo mit seinen christlichen-politischen Predigten: https://youtu.be/H1Ve6viqSR0

Auf Demos ganz wichtig: Schwerverletzten helfen!

 Fake Sanitäter
Der Handy-Sanitäter...
Handy-Sanitäter


Ich vermute, diese beiden Personen wollen sich durch ihre Aufmachung Vorteile verschaffen zum Beispiel beim Filmen "an vorderster Linie", in der Hoffnung, die Polizei würde sie dann nicht behelligen. Ich persönlich sehe im Verhalten der Polizeibeamten keinen Fehler. Bei einer Demo diesen Ausmaßes, in der die Demonstranten sich in ihren TG-Chats sogar verabreden ihre Kinder mit nach vorn zu nehmen, um die Wasserwerfer damit quasi "auszuschalten", muss man als Einsatzleiter oder Zugführer mit solchen Finten seitens der Protestler rechnen. Echte Sanitäter, die sich auch wie solche verhalten, werden nicht behelligt werden, außerdem wären die Sanitätskräfte des DRK auch bei der Behörde angemeldet gewesen.

Die besorgniserregenden ... besorgten Bürger jedoch nehmen jeden noch so abstrusen Hoax zum Anlass, sich über den bösen, faschistischen Impfdiktaturstaat zu empören. Da wird das Denken ausgeschaltet und die Fakenews zum Standard erhoben.


Stellungnahmen im Netz:

Stellungnahmen zum Fake Sanitäter

Eine weitere Stellungnahme eines Facebook-Users (ungekürzt):
1. Der Herr nennt sich auf der Überziehwarnweste über der PSA „Paramedic“, er ist aber keiner; das wäre ein Notfallsanitäter. Seiner FB-Seite zufolge ist er Rettungshelfer, also nicht einmal EMT I/85, das wäre der Rettungssanitäter. Außerdem steht da „Rettungsdienst“, dazu muß man aber dienstlich für die Regelrettung eines bestellten Dienstes unterwegs sein - und die haben keine Clowns im Angebot.
2. Er trägt eine PSA des DRK mit einem Schulterpatch der deutsch-belgischen Jugendgruppe. Die gehört nicht zur Rettung.
3. Sein Helm ist von der französischen Feuerwehr mit einem grotesken Schriftzug vorne drauf. Das Teil hat ein vergoldetes Brandschutzvisier, damit die Feuerwehrmänner lange in die Flammen schauen können und ihre Gesichter dabei nicht heiß werden. Passiert Sanitätern eher selten, daß ein Patient brennt, deswegen ist der Licht- und Hitzeschutz unnötig, es sei denn, Sie wollen mal im Dunkeln tappen. Die Dinger sind voll geschlossen und nur mit aktivem Sprechgeschirr zu tragen, deswegen in Deutschland nur bei der Berufsfeuerwehr zugelassen (in Erprobung, soweit ich weiß). Wenn Sie so einen aufhaben und kein aktives Sprechgeschirr darunter tragen, dann hören Sie selbst wenn Sie einer anschreit bloß *moohmmoohmmoohm*. Ist bei Einsätzen suboptimal.
4. Die Maske stammt aus dem Bereich der Autolackierung. Sieht doll aus, schützt aber nur gegen Lacke.
5. Kein EMT würde eine Funktionsweste über der PSA tragen, weil dadurch die Gruppenbezeichnung und die Warnfarben verdeckt werden. Außerdem tragen wir im Sanitätsdienst unsere Ausrüstung in 30-kg-Rucksäcken, da paßt keine Funktionsweste drunter. Weil, reibt nämlich wie Sau. Nach fünf Minuten schmeißen Sie die Weste weg. Und was soll in den paar Taschen drin sein? Belegte Brote? Das Volumen reicht kaum für Pflaster und Dreiecktücher.
6. Sehen Sie die schlackernden Taschen am Bein mit den beiden dünnen Schlaufen? Würde kein Sanitäter so tragen, weil Sie damit überall hängenbleiben - bevorzugt an abfahrenden KTWs, und dann werden Sie mitgeschleppt.
7. Was die vielen bunten Deutschland-Patches an der Funktionsweste bedeuten? Die sind bis auf einen alle reine Phantasie. Würde kein Sani tragen, weil sie einerseits Hoheitszeichen imitieren, andererseits provozierend wirken. Das rote Dreieck mit dem Äskulapstab signalisiert z.B. Flugrettung. Der Stoffel hat von Flugrettung so viel Ahnung wie ich von Thermonuklearphysik.
8. Er will wissen, daß es 40 Verletzte gegeben haben soll, 7 davon schwer. Kann er nicht wissen, wenn er nicht am dienstlichen BOS-Funk teilnimmt. Er hat aber kein BOS-Funkgerät, sondern bloß ein beeindruckend großes Handy mit Powerakku, mit dem er wahrscheinlich den Sitz seines Feuerwehrhelmes überprüft.
9. Wenn die Polizei ihm gedroht haben sollte, ihn zu verhaften, weil er „helfen wollte“, dann garantiert eher, weil er in offizieller PSA des DRK rumläuft, ohne zu deren Regelrettung oder Sanitätsdienst zu gehören, und das ist rechtswidrig. Die Beamten erkennen so etwas - vor allem wegen der „Nimm mich mit, kleiner KTW, auf die Reise“-Schlenkertaschen am Bein, die sich wirklich nur ein Schwachkopf ausgedacht haben kann.
10. Mein Lieblingsobjekt ist aber der Karabinerhaken vorn an der schwarzen Anglerweste: wofür soll das Ding denn sein? Zum Abseilen aus dem KTW? Um, wie die Bereitschaftspolizei, Helm und Maske beim Marschieren dranzuhängen? Sieht martialisch aus. Wenn man das macht und reanimieren muß, erschlägt man aber den Patienten mit dem Helm. Wäre nicht nett.
Kurz, wenn der noch ein Stethoskop um den Hals tragen würde, dann ginge der glatt als „Notfallparamedic Prof. Dr. Brinkmann vom Schwarzwaldrettungsteam Kommando Spezialsanitätskräfte“ durch.

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