Der Segen des Spendens

Kategorie: Kurzmeldungen Erstellt: Sonntag, 13. März 2022 Drucken

(von Olaf Francke)
Der bewaffnete Konflikt in der Ukraine rührt hierzulande die Herzen der Menschen. Sie holen aus den Schränken, was entbehrlich ist, gehen einkaufen, was sie für nötig halten und organisieren Transporte nach Polen. Es stellt sich allerdings die Frage, wie nützlich diese Aktionen sind.

ungefragte Sachspenden

Grundsätzlich ist es ja toll, dass die Menschen hierzulande andere Menschen, denen es nicht so gut geht wie uns, bemerken und dann noch vom Bedürfnis, ihnen zu helfen, beseelt werden. Oft allerdings gelingt es den emotionsbewegten Hilfswilligen nicht, den tatsächlichen Bedarf korrekt abzuschätzen. Das war bereits während der Katastrophe im Ahrtal so, nun, im Falle der Massenfluchtbewegung aus der Ukraine verstärkt sich dieser Effekt noch einmal.

Die Situation stellt sich wie folgt dar: Auf dem Stasatsgebiet der Ukraine, besonders in der nördlichen und östlichen Grenzregion zu Belarus und der Russländischen Föderation, findet ein bewaffneter Konflikt statt. Aus den umkämpften Gebieten flüchten Zivilisten in Richtung Westen. Diese werden vom ukrainischen und polnischen Roten Kreuz und anderen Hilfsorganisationen registriert und weitergeleitet, in Deutschland erfolgt die Verteilung der Geflüchteten nach dem Königsteinschlüssel auf alle Bundesländer. Drehkreuz dafür ist Hannover. Die Deutsche Bahn und andere Verkehrsbetriebe befördern diese Menschen mit Sonderfahrten. Azuufgenommen werden die Geflüchteten hier bei uns in Deutschland in Erstaufnahmeeinrichtungen, die von den Hilfsorganisationen und Kommunen eingerichtet und betrieben werden. Viele kommen auch bei Verwandten unter, die bereits in Deutschland leben.

Erstaunlich ist, dass aus der Ukraine nicht selten vorwiegend männliche Menschen kommen, die ihren erforderlichen "Ukraine-Bezug" (ja, das heißt tatsächlich so!) mit Studentenvisa nachweisen, die sich allerdings nicht überprüfen lassen. Diese Studenten durften trotz des Ausreiseverbotes für wehrtaugliche Männer die Ukraine verlassen, und so kamen unlängst, wie die Website "Merkur.de" berichtet, zwei Busse mit 100 Geflüchteten in Garmisch an, wo ein Sporthotel für Geflüchtete zur Verfügung gestellt wurde. 80% der Ankommenden waren junge Männer mit offensichtlich eher "Afrika-Bezug". Die ukrainische Dolmetscherin hatte einige Mühe, sich mit den "Schwarzukrainern" zu verständigen, denn die sprachen kein Wort Ukrainisch oder Russisch und nur sehr gebrochen Englisch.

Schwarzukrainer

Inwieweit diese Personengruppen von Schwarzukrainern nun z.B. in Polen mit Sachspenden wie Windeln und Babynahrung versorgt werden müssen, ist unklar. Nichts desto trotz reißt der Strom der unangeforderten "Hilfstransporte" nicht ab.

Ein Twittervideo dazu: https://twitter.com/i/status/1500410253724336132

An den Grenzübergängen schafft man dann Verteilungsräume, wo sich die Flüchtenden gerne bedienen können, nur tun das die Wenigsten, denn diejenigen, die über die Grenze kommen, wollen weiter, und das schnell.

Kurzer Einblick bei Twitter: https://twitter.com/i/status/1500216425222483970

"... wir haben es dann dort abgeladen ..."

Ein "selbstorganisierter Hilfstransport" nach Medyka bei Lemberg (Lwiw) und der harte Aufprall auf dem Boden der Realität. In einem bei Facebook kursierenden Video schüttet eine "Helferin" ihr Herz aus: https://www.facebook.com/watch/?v=1600511026974045

"... wir wollten so viel Gutes tun ..."

Gut gemeint ist allerdings nicht immer gut gemacht. Viele Leute raffen derzeit Kram zusammen, von dem sie annehmen, die armen Menschen in der Ukraine bräuchten ihn. Das Zeug wird dann in Müllsäcke und Kartons verpackt, quer durch Deutschland und Polen geschippert und ungefragt irgendwo an der Grenze abgeladen. Es wird sich gewundert, warum da überall "Haufen" liegen.

Haufen von Sachspenden

So kommt es dann zu skurrilen Szenen, in denen ein Pianist inmitten der Klamottenhaufen sitzt und versucht, die Menschen mit Musik aufzuheitern (Twitter-Video): https://twitter.com/i/status/1502576221384851456

Die eifrigen Helfer, die keine Ahnung von Massenfluchtbewegung haben, sind nun erbost, dass niemand sich die Zeit nehmen will, ihre Sprinterladungen zu sortieren und dahin zu karren, wo die Leute in Züge steigen, um aus der Gefahrenzone zu kommen. Eigenartigerweise will auch niemand aus der Ukraine unregistriert mit nach Deutschland zurückfahren, weil die Leute dort wohnen, zuhause bleiben und nicht "gerettet" werden möchten. Was fällt diesen Leuten nur ein?

Nun sind die Helferlerin ganz empört ob der Undankbarkeit des ukrainischen Fluchtvolkes.

Leute, geht's noch??? Bleibt gefälligst mit eurem Wohlstandshintern zuhause! Nehmt das Geld und spendet es an Hilfsorganisationen, die wissen, wie man Flüchtlingsströme händelt. Da gibt es auch die erforderliche Infrastruktur, Bedarfsermittlung und gezielte vor-Ort-Beschaffung. Spart euch das Spritgeld und tankt lieber einen gestrandeten LKW auf nem BAB-Rasthof davon auf, damit der Fahrer zurück nach Hause kann.

Ihr wollt helfen? Fragt eure Hilfsorganisation vor Ort, was ihr tun könnt! Aber hört bitte auf, eure Empörungsvideos ins Netz zu rotzen!

Hört auf, Kram durch die Gegend zu fahren!

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